



Wer im Solothurner Obach-Quartier Zeit für einen Spaziergang findet, nutzt ihn gerne, um in die nahe gelegene Altstadt oder an die Aare zu gehen. Dekorative Stadtvillen und Pavillons im Stile des Historismus prägen das Quartier. Doch das Gebiet am Westbahnhof vollzieht gerade einen städtebaulichen Wandlungsprozess. Hier, am Entwicklungsgebiet Westbahnhof und inmitten eines naturnah gestalteten Gartens, entstand mit dem Atelierhaus Obach ein zukunftsorientiertes Gebäude, das kreatives Arbeiten und architektonische Qualität in einer nachhaltigen Holzbauweise vereint.
Neubau zum 20-jährigen Jubiläum: phalt Architekten AG
Der zu Jahresbeginn fertiggestellte pavillonartige Neubau mit einfacher kubischer Form dient als Hauptsitz der phalt Architekten AG, die mit ihrem Namen auf die Bedeutung von «phalten»: Entfalten einer planen Fläche zu einem dreidimensionalen Raumkörper anspielen möchte. Die drei Geschosse werden über den Treppenhauskern aus Ortbeton erschlossen. Zwei Erker aus Aluminium rhythmisieren den strengen Bau. «An den Längsseiten gliedert eine filigrane Laubenschicht die Fassade und macht das regelmässige Konstruktionsraster der inneren Organisation von aussen ablesbar», erläutert Mike Mattiello, Co-Partner und Mitglied der Geschäftsleitung der phalt Architekten A.
Zentrales Tragwerkselement: Holz-Beton-Verbunddecken von Wilma
Für die Geschossdecken kamen vorgefertigte HolzBeton-Verbunddecken (HBV) der Wilma zum Einsatz. Stil-Detail: Im Inneren greifen Türen und Schrankfronten den hybriden Materialeinsatz von Holz und Beton farblich auf. «Nachhaltigkeit durchzieht das gesamte Projekt wie ein roter Faden», sagt Mike Mattiello. Die Holzbauweise reguliert auf natürliche Weise den Feuchtigkeitshaushalt der Räume. Die HBV-Decken unterstützen durch ihre Speichermasse eine klimaangepasste und zukunftsorientierte Bauweise. Filigrane Fassade: Eine dreigeschossige Laubenschicht prägt den Baukörper des Atelierhauses Obach (SO). Bild: Roger Frei, Zürich 10/2026 9 Objekt Unser Ecosystem war am Neubau beteiligt: Verbundsystem Wilma ... ... plus Kuratle & Jaecker, Meier Logistik und Witholz. «Der sommerliche Hitzeschutz entwickelt sich in der Architektur zu einem zentralen Aspekt zukunftsorientierten Bauens», sagt Jonas Degen, technischer Leiter Wilma. Hitzeperioden nehmen zu, Gebäude müssen heute so gebaut werden, dass sie auch in 80 Jahren noch funktionieren. Hier bieten Holz-Beton-Verbunddecken einen klaren Vorteil: Die integrierte Speichermasse des Betons trägt zum Wärmeschutz bei. Temperaturspitzen werden abgemildert und Innenraumtemperaturen über den Tagesverlauf ausgeglichen. Die gewählte Konstruktion ermöglichte hohe Spannweiten bei schlanken Querschnitten, ausgezeichnete Tragfähigkeit und Steifigkeit, guten Schall- und Schwingungsschutz, hohe Wirtschaftlichkeit durch Vorfertigung, sichtbare Holzoberflächen mit architektonischer Qualität und einen nachhaltigen Materialeinsatz mit reduziertem CO2 Fussabdruck. Die Tragstruktur basiert auf einem wirtschaftlichen und ressourcenschonenden Holzbaukonzept. Die Bauweise mit ihren kurzen Aufrichtzeiten war äusserst ökonomisch. Die Vorfertigung war hoch, die Montage effizient, die Tragkonstruktion ist dauerhaft und leistungsfähig. Die Decken wurden als vorgefertigte Elemente auf die Baustelle geliefert und in kurzer Zeit mit der Holzkonstruktion verbunden. Dies optimierte Bauabläufe und reduzierte die Bauzeit.
Stark an der Baustelle: Die Bader Holzbau AG
«Die Montage und die Unterstützung vor Ort durch Wilma waren für uns spannend zu sehen und sehr hilfreich», sagt die Bader Holzbau AG. Das Unternehmen aus Aedermannsdorf hatte die Ausführung der Holzbauarbeiten übernommen und koordinierte die Montage der vorgefertigten Bauelemente. «Beim Atelierhaus Obach konnte man sehen, wie sehr die Zusammenarbeit aller Beteiligten zum Gelingen eines Projektes beitragen kann.» Der Verarbeiter war mit vier bis sechs Zimmerleuten sowie zwei bis vier Schreinern an der Baustelle. Zu den Herausforderungen zählte, «die statischen Anforderungen sowie die gestalterischen und konstruktiven Vorstellungen seitens der Architektur wunschgerecht umzusetzen.» Die Bader Holzbau AG ist auf Holzbau, Fensterbau und Schreinerarbeiten spezialisiert. Erhalten hatte sie den Auftrag auf klassischem Wege über die Ausschreibung. Frühere Kooperationen mit dem Architekten bestanden ebenfalls. Der fertige Bau ist eine «Bestätigung dafür, dass sich die gemeinsame Arbeit gelohnt hat», findet Rico Meier. «Bei einem Projekt wie diesem spielt das Wetter eine wichtige Rolle», gibt der Projektleiter Holzbau von der Bader Holzbau AG zu bedenken. «In einem solchen Fall müssen Arbeitsabläufe flexibel geplant und koordiniert werden.» Das gelang durch eine enge Zusammenarbeit aller beteiligten Unternehmen. Die frühzeitige Abstimmung zwischen Planung, Produktion und Ausführung ermöglichte einen effizienten Bauprozess sowie eine hohe Ausführungsqualität über sämtliche Projektphasen hinweg.
Unser Ecosystem: Witholz, Meier Logistik
Die Planung durch die phalt Architekten AG wurde durch Ingenieurleistungen der Holzwerk Ingenieure AG ergänzt. Das Konstruktionsholz wurde durch die Witholz AG geliefert und abgebunden. Für Teile der Materiallogistik zeichnete sich die Meier Logistik verantwortlich. Sie unterstützte die termingerechte Versorgung der Baustelle. Die Holzbauelemente und HBV-Decken konnten effizient produziert und montiert werden. Das lag am hohen Vorfertigungsgrad. Die perfekt abgestimmte Zusammenarbeit zwischen Planung, Produktion und Ausführung ermöglichte einen reibungslosen Bauablauf. Das Atelierhaus Obach in Solothurn zeigt exemplarisch die Möglichkeiten des modernen mehrgeschossigen Holzbaus. Es ist so konzipiert, dass es künftig auch zu Wohnzwecken genutzt werden kann. «Die Möglichkeit einer späteren Umnutzung zu Wohnungen wurde von Beginn an konsequent in Entwurf und Ausführung integriert», sagt Architekt Mike Mattiello. Bis es so weit ist, wünschen wir dem gesamten Team des Architekturbüros eine erfolgreiche Zeit am neuen Unternehmenssitz – gebaut mit der Vielfalt der Materialien der Wilma für neue kreative Entfaltungen der phalt Architekten AG.





